Ein glückliches Exil


Ein glückliches Exil
Roman, gebunden, übersetzt von Gabriela Zehnder, 120 Seiten; CHF 25,00 und Euro 21,00
ISBN 978-3-905689-60-0

Nach der gewaltsamen Auflösung der Kommune wurde der französische Maler -Gustave Courbet wegen seiner Beteiligung an der Zerstörung der Vendôme-Säule zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Später im Mai 1873 verlangte die neue französische Regierung auch noch Schadenersatz (335.000 Francs). Gustave Courbet floh in Richtung Schweiz, wo er vier Jahre später im Exil starb.

»Der Mann, der an diesem 23. Juli 1873 die Grenze überschritt, war ein toter Mann, und die Polizei wusste nichts davon. Tot für die Drohungen, die Erpressungen, die Machenschaften. Ein toter Mann, der noch vor Ablauf einer Woche mit einer Frau schlafen würde. 

In seinem Schweizer Exil hat Gustave ­Courbet den grössten Freuden seines Lebens gefrönt: Er hat gemalt, er hat geprasst, er hat in den Flüssen und Seen gebadet. Man staunt über die Freiheit dieses Körpers, in dessen Kielwasser sich die Gassen des Marktfleckens entwirren, über diesen dicken Bauch, der langsam die Gewässer, die Täler, die Wälder zerteilt. Wenn er malte, tauchte Courbet mit dem Gesicht in die Natur ein, mit Augen, Lippen, Nase, mit beiden Händen, auf die Gefahr hin, sich zu verlieren, die Gefahr vor allem, geblendet zu werden, überwältigt, von sich selbst befreit.
Was ist das Geheimnis, das die Jahre in La Tour-de-Peilz, am Genfersee, überstrahlte, jene vier Jahre, welche die Spezialisten üblicherweise mit zwei Sätzen abtun: Courbet malt nichts Rechtes mehr und säuft sich zu Tode? Dieses Geheimnis, im Feuer der Pariser Kommune erprobt, ist die ansteckende Freude des Menschen, der sich selbst regiert.« David Bosc

David Bosc hat »La claire fontaine«, 2013 in den Editions Verdier veröffentlicht, der Roman gewann 2014 den Schweizer Literaturpreis und wurde für den Prix Décembre und den Prix Goncourt nominiert.
Die Erstübersetzung von Gabriela Zehnder erscheint im Rahmen der ch-reihe.

Textausschnitte:

»1869, als er gerade seinen Freund Max Buchon beerdigt hatte, formulierte er seine politische Hoffnung folgendermassen: ›Wenn wir die Freiheit erlangen, werden wir die Revolution begründen.‹ Die Dummköpfe haben sich über ihn lustig gemacht, denn das hiesse ja, so dachten sie, den Gaul beim Schwanz aufzuzäumen …
Courbet trägt Zeugnis für die revolutionäre Freude, die Freude des Menschen, der sich selbst regiert, und das ist eine lebendige Quelle. Er hielt die Erinnerung an die Stunden der Kommune hoch, als der grosse Wurm der Angst endlich verendete unter dem Absatz der Frauen mit wehendem Haar, der Männer in Hemdsärmeln und der Kinder, die von allen betreut wurden. Der Egoismus und die Gleichgültigkeit hatten keinen Platz; man war überglücklich, lebendig, erfüllt von Vertrauen und Müdigkeit.«

»Courbet setzte sich wieder in seinen puritanischen Stuhl. Der Cognac drang als Aufklärer durch jede seiner Adern. Ein unaufgeräumtes Atelier mit all seinen Düften, vollgestopft mit unnützen Dingen, kaputten Pinseln, schlecht geschlossenen Farbtöpfen, Lumpen, so starr wie eine Leiche, ist der perfekte Ort, um die Luft oder das Wasser zu malen, indem man sein Gedächtnis nach Orten und Jahreszeiten durchsucht, gemäss allen möglichen Launen des Auges, fröhlich, betrübt, heiter, verängstigt.«
David Bosc
 

Ein glückliches Exil, Roman, gebunden, übersetzt von Gabriela Zehnder, 120 Seiten; CHF 25,00 und Euro 21,00, ISBN 978-3-905689-60-0, CHF 25,00


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