Mein Selbstmord

Henri Roorda
Mein Selbstmord
64 Seiten, übersetzt von Yla von Dach, illustriert von Ursi Anna Aeschbacher; CHF 23,00 und Euro 19,00
ISBN 978-3-905689-35-8

Henri Roorda (1870 – 1925), wohl der originellste Humorist und Schriftsteller der Westschweiz, dessen libertär philosophische Gedanken erst seit Kurzem wieder wahrgenommen werden, hat seinem Leben 1925 ein Ende gesetzt, wie er dies in einem Büchlein mit dem Titel «Mon Suicide» angekündigt hatte. 

Anders als es der Titel vermuten lässt, handelt es sich dabei weder um einen schwerblütig düsteren noch um einen zynischen Text, auch wenn Roordas Witz sich zuweilen ätzend gibt, und der Autor sein Vorhaben tatsächlich wahr gemacht hat. Mit scheinbar leichtfüs­siger Distanz betrachtet er sich selbst und die Gesellschaft seiner Zeit und arbeitet messerscharf das Wesentliche heraus, das – leider! – auch für unsere heutigen Verhältnisse gültig bleibt.
Angesichts des wachsenden Drucks, dem sich die Menschen in ihrer Arbeit ausgesetzt sehen, angesichts des Konformitätsdrucks, der allem Anschein zum Trotz gerade in jüngster Zeit noch stärker geworden ist, hat das kleine Werk eine unglaubliche Aktualität. Weit davon entfernt, seinen Selbstmord als nachahmenswertes Beispiel erscheinen zu lassen, ist der Scharfblick des Autors dazu angetan, eine befreiende Distanz zu den offenbar »unverbesserlichen« gesellschaftlichen Verhältnissen zu schaffen.

»Wenn ich eine dieser prachtvollen Banken betrete, die man vor kurzem in Lausanne gebaut hat, spüre ich eine heilige Ergriffenheit: Ich stehe im Tempel der Lebendigen Religion. Es gibt keine Scheinheiligen unter den Gläubigen, die ich hier antreffe: Keiner von ihnen zweifelt an der Allmacht seines Gottes.«
»Wenn ich es recht bedenke, sage ich mir, der Ausdruck ›Fröhlicher Pessimismus‹ könnte auf einige Käufer abschreckend wirken. Sie würden ihn nicht verstehen. ›Mein Selbstmord‹ wird als Titel viel verlockender sein. Das Publikum hat eine ausgesprochene Vorliebe ­­für Melodramen.«
»Weil die Armen zahlreich sind, werden sie es vielleicht schaffen, ›Gerechtigkeit‹ in den Verteilmodus der Vorräte zu bringen. Die Perspektive eines gut organisierten sozialistischen Staates, in dem der Einzelne materielle Sicherheit genösse, missfällt mir keineswegs. Wenn man sicher ist, sich jeden Tag die Nahrung zu beschaffen, die man braucht, kann man an anderes denken: Man hat den Kopf frei. In der heutigen Welt, in der ›die Freiheit‹ regiert, sind die meisten Menschen sorgenvoll.«

»Ich möchte, dass mein Selbstmord meinen Gläubigern ein bisschen Geld einbringt. Deshalb trug ich mich mit dem Gedanken, bei Fritz, dem Patron des Grand Café, vorbeizugehen. Ich wollte ihm sagen:
›Kündigen Sie in einem Zeitungs­inserat einen Vortrag von Balthasar  zum Thema Selbstmord an; darunter schreiben Sie, fett gedruckt:
Der Vortragende wird am Ende seines Vortrags Selbstmord begehen.
Dann, kleiner gedruckt:
Eintritt Fr. 20.–, Fr. 10.–, Fr. 5.– und Fr. 2.– (die Getränkepreise werden verdreifacht).
Ich bin sicher, dass eine Menge Leute kommen werden.‹«

Henri Roorda's Buch hat Yla M. von Dach aus dem Französischen übersetzt. 

Leseprobe

Mein Selbstmord, 64 Seiten, übersetzt von Yla von Dach, illustriert von Ursi Anna Aeschbacher; CHF 23,00 und Euro 19,00, ISBN 978-3-905689-35-8, CHF 23,00


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