Albert Thebell, Physiker und Fälscher
Politik, Hochfinanz, Kultur: Es gibt sie überall, die tragische Figur des bewunderten und beneideten Hochstaplers. Er allein weiss, dass sein Ruhm auf Lug und Trug aufbaut. Und doch kann er, selbst wenn er es vielleicht möchte, seine Schuld nicht eingestehen, weil seine Umgebung sich in seinen Erfolgen sonnt und ihn damit zu immer weiteren Betrügereien anspornt. So ergeht es in diesem Roman, der sich an einem tatsächlich vorgefallenen Forschungsskandal inspiriert, auch dem Physiker und Fälscher Albert Thebell.
Dieser Roman basiert auf einer wahren Begebenheit: Zwischen Januar 2000 und April 2002 wurde in fünfzehn Artikeln in den grössten wissenschaftlichen Zeitschriften, Nature und Science, von spektakulären Entdeckungen in der Festkörperphysik berichtet, durch die sich neue technologische Perspektiven eröffnen würden – fähig, die Geschichte der Wissenschaft zu verändern. Unterzeichnet waren sie von einem jungen Forscher, einem Angestellten eines bekannten amerikanischen Labors, während angesehene Wissenschaftler als Koautoren figurierten.
Ab Mai 2002 stellte sich heraus, dass die Daten gefälscht waren. Die Hoffnungen der internationalen Wissenschaftsgemeinde lösten sich in Luft auf.
Alle fragten sich, wie so etwas möglich gewesen war. Man gab dem Karrieredenken die Schuld, dem Wettlauf um Publikationen in renommierten Zeitschriften, der Nachlässigkeit der Experten; man definierte Verhaltenskodizes und Bildungsprogramme für junge Forscher.
Der Autor, selbst Physiker und indirekter Zeuge der Geschichte, rekonstruiert – fiktional, aber plausibel – die Fakten und macht Ambitionen und Fehler sichtbar. Situationen, Rollen und Figuren entspringen der Fantasie, während die wissenschaftlichen Fälschungen der Wirklichkeit entsprechen.
»Die Ehrlichkeit muss als Eckpfeiler der wissenschaftlichen Ethik betrachtet werden. Nicht nur im Ruf des Wissenschaftlers …, sondern auch im Bild und der Glaubwürdigkeit des Berufs des Physikers in den Augen der Kollegen, Regierungen und der Öffentlichkeit widerspiegelt sich die Lauterkeit bei der Formulierung, Durchführung und Auswertung wissenschaftlicher Forschung. Es ist wichtig, dass die Tradition des ethischen Verhaltens sorgfältig eingehalten und künftigen Generationen mit Begeisterung vermittelt wird.« (American Physical Society)
Die deutsche Erstveröffentlichung erscheint im Rahmen der ch-reihe. Das italienische Original wurde bei Mursia unter dem Titel »Il Falsario« veröffentlicht.
Als zweites Buch von Gianfranco D'Anna im verlag die brotsuppe erschien 2016 Das geteilte Elektron.
