Dem Tag gehören

Doude van Troostwijk Emma

Nicolaas seufzt, er formt ein Wort, lässt es einen Moment in der Schwebe.

Wozu soll das gut sein.

Ich schaue ihm direkt in die Augen.

Mama sagt, wozu soll was gut sein?

Nicolaas holt tief Luft. Wozu soll das gut sein, dass ich Pastor werde, wenn niemand mehr.

Papa sagt, wenn niemand mehr daran denkt?

Ich erwidre, ach was, sieh Papa und Opa an, sie erinnern sich an nichts, aber es gibt sie, und das ist doch super.

Papa versetzt mir einen Rippenstoß.

Nicolaas lacht.

Mama steht auf. Über seiner Schulter ertönt ihre Stimme, ein Pastor ist dazu gut, Geschichten lebendig zu erhalten, Nicolaas, das ist schon viel, Geschichten zu erzählen.


»Pastorenkinder sind die schlimmsten«, heißt es, und in dieser Familie sind sie in der Überzahl: Der Großvater war Pastor, Vater und Mutter sind es und der Sohn ist dabei, es zu werden. Nur die Tochter tanzt offenbar aus der Reihe. Nach über einem Jahr Abwesenheit kommt sie zurück in das Pfarrhaus ihrer Kindheit und beobachtet ihre Familie mit liebevollem, genauem Blick: den alten Opa, der sein Gedächtnis verliert, den unter einem Burnout leidenden Vater und den älteren Bruder, der vor der Ordination an seiner Berufung zweifelt. Die niederländische Familie lebt in Frankreich.

Witzig, nachdenklich und poetisch kontrastieren ihre Ausdrücke mit der Sprache der Umgebung. So erhält die Fragilität der Familienmitglieder verschiedene Färbungen, je nachdem, ob sie an einem seidenen Faden hängen oder »dem Tag gehören«.

»Ein Debütroman von bezaubernder Anmut.«
Le Temps

Titel der Originalausgabe: »Ceux qui appartiennent au jour«
© 2024, Éditions de Minuit, Paris


Auszeichnungen

  • Robert Walser Preis
  • Prix Françoise Sagan

Dem Tag gehören