Grit

Noëmi Lerch

Eine Hütte am Rande einer kargen Ebene. Im Innern der Hütte ein Kessel. Am Kessel eine junge Frau, sie rührt mit der Harfe die Milch. Wenig Licht kommt durch das Fenster, wo eine alte Frau im Offiziersmantel steht und raucht. In dieser Stille die beiden Frauen, deren Leben kaum unterschiedlicher sein könnte. Die Ältere hat studiert und in der Politik Karriere gemacht, die Jüngere umsorgt einen kleinen Hof und zwei Kinder. Trotz ihrer Verschiedenheit sind die beiden Frauen durch ein starkes Band verbunden, sie sind Mutter und Tochter.

Eines Morgens setzt sich eine Krähe auf den Fenstersims, und die Mutter beginnt zu erzählen, von den Hühnern, der Sprache der Tiere, den Ahnen. Aber die Tochter unterbricht sie: »Bevor Du mir mit den Ahnen kommst, Mutter, sag mir erst einmal, was aus mir geworden ist.«

Grit ist Noëmi Lerchs zweites Buch.

Ihr 2015 erschienener Erstling Die Pürin wurde mit dem Terra-Nova Schillerpreis für Literatur ausgezeichnet. Willkommen im Tal der Tränen, ihr drittes Buch, erhielt 2020 den Schweizer Literaturpreis.

Pressestimmen

Roman Bucheli in der NZZ (27.5.17): »Noëmi Lerch entwirft in ihrem zweiten Roman mit sparsamsten Mitteln den intimen Mikrokosmos einer Familie, über die ein Unglück nach dem anderen hereinbricht. Und trotzdem liegt ein Zauber über dieser Familie und über diesem schmalen Buch. Jeder Schrecken, jeder Verlust wird hier mit unerschütterlicher Widerborstigkeit verwandelt in eine stille Zuversicht. Was einmal verschwand (und viele verschwinden in diesem Buch), kann wiederkommen.« Die ganze Kritik finden Sie hier.
Christoph Steier (Universität Zürich, Schweizer Buchjahr 19.6.17) nennt den Text eine "Poetik des Kargen". Für Fragezeichen sei darin kein Platz, wohl aber für einige gewichtige Fragen, lesen Sie hier.
Jano Felice Pajarola schreibt im Bündner Tagblatt (5.7.17): "Hundert Seiten genügen ihr. So war es schon bei «Die Pürin», und so ist es auch bei «Grit». Mehr braucht sie nicht, um vor uns eine kleine, grosse Welt auszubreiten."
"Mosaikartig, mit ineinander verwobenen Zeitebenen erzählt die Autorin mit reduzierter Sprache und Handlung vom Band einer Familie, das zu zerreißen droht. Das Unbeschwerte und Schwere werden in dieser kleinen, poetischen Erzählung auf eindringliche Weise ausgelotet. Wieder eine literarische Besonderheit des kleinen Verlags", schreibt Gabriele Fachinger von den Bibliothekarischen Diensten.
Cordelia Kreft im Kulturtipp 17/2017: "Fast jede der 100 Seiten des Romans hat eine eigene Melodie. Auf ­ einem Grundton in Moll lässt Lerch mit ihren Worten immer wieder ihren Sinn für Schönheit, für die Sanftmut der Tiere und die menschliche Zuversicht erklingen." Lesen Sie hier.
Auch als eBook erhältlich
ISBN 978-3-905689-89-1
eBook