Farantheiner

Patrick Savolainen

Wenn man die Schwerkraft geometrisiere, seien die Bewegungen, die unsere Planeten um die Sonne machten, nur scheinbar kreis- oder ovalförmige. Vielmehr müssten sie als Geraden beschrieben werden, da sie den direktestmöglichen Weg dieser Körper um die Sonne bedeuteten. Wie der Apfel, der von Newtons Baum fällt, durch die Schwerkraft nicht von einem möglichen Ideal – am Baum oder in der Luft geisterhaft zu schweben? – abgelenkt werde: Im Fallen würde er sich, den Planeten gleich, auf die Reise seiner Lebens begeben und die geradestmögliche Bewegung ausführen, zu der er auf dieser Erde fähig sei. Oder umgekehrt: Das Umkreisen der Sonne ist ein fortwährendes Fallen und das Sonnensystem eigentlich ein Früchtekorb voller Fallobst.

Wenn das Schreiben nun auch, vielleicht um einen unsichtbaren, Stern kreist, sind dann die Bahnen, die es zieht, auch eigentliche Geraden? Die Stationen dieses Buches wären in diesem Fall unter anderem die folgenden:

Ein an Bedingungen geknüpftes Testament. Ein Weinberg in den Weiten des nordamerikanischen Kontinents. Cowboys. Das Öffnen von Türen. Das Gehen unter der Sonne. Ein Pferdedieb. Und mitten drin: das »ungezügelte Verlangen«.

Patrick Savolainen wurde für Farantheiner mit dem Schweizer Literaturpreis 2019 ausgezeichnet. Aus der Begründung der Jury: »Was ist das? Was lesen wir da? Einen Roman? Ein Groschenheft? Eine Demonstration? Farantheiner ist all das – und zugleich eine Parodie der Sprachhülsen sowohl der Genreliteratur wie auch des gleichförmigen Realismus, der derzeit die Nachwuchsszene dominiert. Dieser Text stellt sich fortwährend selbst auf den Prüfstand: Alles Gewohnheitsmäßige wird neu sortiert, keine Setzung bleibt ohne Folgen. Der Leser findet sich unversehens selbst als Objekt der Übung wieder, deren Narration ihn anlockt, nur um sich gleich darauf aufzulösen. Dass das Unikum Farantheiner dabei auch noch amüsiert, ist preiswürdig!«

Pressestimmen

"Der Roman ist mehr Form als Inhalt, mutet stellenweise wie schwer zu lesende Schreibübungen an und ist doch gesamthaft faszinierend: als nicht definierbares Mischwesen eines womöglich sehr begabten Autors. Aber der soll jetzt erst mal Finnisch lernen." Marina Bolzli, Berner Zeitung
Savolainen bietet eine Leseerfahrung irgendwo zwischen Delirium und Martyrium, die auf einen überzeugenden Schluss zusteuert." Regula Fuchs, Der Bund hier.
"Der Autor hat sich mit diesem Roman lustvoll-langsam selbst verwirklicht und Glänzendes geschaffen." Clara Gauthey, Bieler Tagblatt
Beat Mazenauer in Viceversa hier.
Laura Clavadetscher im Literarischen Monat hier.
Fabian Thomas in The Daily Frown hier.

Auszeichnungen

  • Schweizer Literaturpreis 2019